Recyceltes PET für Getränkeflaschen

    Haben Sie vielleicht ein mulmiges Gefühl, wenn Sie auf einer Getränkeflasche lesen, dass sie aus einem recycelten Material hergestellt wurde? Ist das Getränk noch genießbar? Ist es gesundheitlich unbedenklich? Grundsätzlich ja, sofern das für den Lebensmittelkontakt zugelassen ist. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Einweg-Getränkeflaschen in der EU aus durchschnittlich mindestens 25 % recycelten Kunststoff bestehen.

    Am häufigsten werden Getränkeflaschen aus Polyethylenterephthalat, kurz PET, gefertigt. Und neulich dürfen sie auch aus recyceltem PET (rPET) hergestellt werden. Das ist nicht nur erlaubt, sondern wird durch die Europäische Union sogar ausdrücklich gefördert. Dabei können PET-Flaschen sowohl teilweise als auch vollständig aus recyceltem Kunststoff bestehen. Es gibt bereits Getränkeflaschen, die zu 100 % aus rPET hergestellt werden (siehe Foto).

    Weil das Material mit Lebensmitteln in Kontakt kommt, gelten nach der EU-Verordnung 2022/1616 strenge Vorschriften und besondere Anforderungen:
    - Das Ausgangsmaterial muss sorgfältig gesammelt und sortiert werden.
    - Beim Recycling müssen mögliche Verunreinigungen zuverlässig entfernt werden.
    - Die Recyclingverfahren müssen strenge Sicherheitsanforderungen erfüllen.
    - Das fertige Material darf keine gesundheitlich bedenklichen Stoffmengen an Getränke abgeben.

    Ist recyceltes PET gesundheitlich unbedenklich?
    Ein großer Vorteil von PET ist, dass es sich mehrfach recyceln lässt. Beim Recycling werden gebrauchte Flaschen gewöhnlich zerkleinert, gewaschen, getrocknet, aufgeschmolzen und erneut verarbeitet. PET ist ein Polyester (Polyalkylenterephthalate PET und PBT.). Seine langen Molekülketten bestehen aus Bausteinen der Terephthalsäure und des Ethylenglykols.  Bei der Verarbeitung können mehrere chemische Veränderungen der Molekülketten stattfinden. Dabei treten insbesondere drei chemische Vorgänge auf.

    a) Spaltung der Molekülketten (Hydrolyse)
    Wenn PET beim Erhitzen noch Feuchtigkeit enthält, können Wassermoleküle die Esterbindungen der Polymerketten aufspalten. Die Folgen sind:
    - Die durchschnittliche Molekülmasse sinkt.
    - Die Schmelzviskosität nimmt ab.
    - Das Material kann spröder werden.
    - Die mechanische Festigkeit kann abnehmen.
    Besonders kritisch ist die Kombination aus Feuchtigkeit und hohen Verarbeitungstemperaturen von ungefähr 250–290 °C.

    b) Thermischer und oxidativer Abbau
    Beim Aufschmelzen können durch Wärme und Sauerstoff weitere Bindungen aufbrechen.
    Dabei entstehen unter anderem: Acetaldehyd: Eine flüchtige Verbindung, die den Geschmack von Getränken beeinflussen kann. Carboxyl-Endgruppen, die weitere Abbaureaktionen begünstigen können.
    Oligomere also kürzere Moleküle, die aus wenigen PET-Bausteinen bestehen. Außerdem können sich gelbliche Verfärbungen bilden.

    c) Veränderung der Kristallstruktur
    PET besteht normalerweise aus kristallinen und amorphen Bereichen.
    Durch wiederholtes Erhitzen und Abkühlen kann sich das Verhältnis dieser Bereiche verändern. Kürzere Molekülketten können auch leichter kristallisieren.
    Das beeinflusst die Transparenz, Steifigkeit, Gasdurchlässigkeit und Wärmebeständigkeit des Materials.

    Besonders interessant ist die Frage, ob aus recyceltem PET mehr Stoffe in Getränke übergehen können als aus neu hergestelltem PET. Zu diesen Stoffen gehört u.a. Acetaldehyd und Ethylenglykol aus dem thermischen PET-Abbau sowie verschiedene Verunreinigungen.

    Eine weitere Frage lautet: Ist rPET gefährlicher als neues PET? Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass gebrauchtes PET während seiner vorherigen Nutzung Stoffe aus der Umgebung aufnehmen kann. Beim Recycling müssen diese Stoffe entfernt werden. Besonders wirksam sind dafür Reinigungsverfahren mit erhöhter Temperatur, Vakuum und ausreichend langer Behandlungszeit.

    Eine Rolle spielt auch die Lagerung der Getränkeflaschen.Die Migration bestimmter Stoffe kann durch hohe Temperaturen und lange Lagerzeiten zunehmen. Deshalb empfiehlt es sich, PET-Getränkeflaschen nicht längere Zeit in direkter Sonne oder in einem heißen Auto aufzubewahren. Das gilt sowohl für neue als auch für recycelte PET-Flaschen.

    Übrigens: Recyceltes PET (rPET) durfte in Deutschland bereits vor 2008 für Getränkeflaschen verwendet werden. Ein genaues Datum der erstmaligen Zulassung lässt sich allerdings nicht eindeutig bestimmen.

    Die Welt der Materialien

    • Einschlüsse im Bergkristall

      Einschlüsse in Quarz sind besonders häufig. Quarze ohne jegliche Einschlüsse sind eher die Ausnahme. Chlorit, ein komplexes Mg-Fe-Al-Silikat, bildet häufig grüne, flockige oder moosartige Einschlüsse, manchmal ganze Schichten. Bereits vorhandene oder gleichzeitig wachsende Minerale werden vom Quarz umschlossen. 

    • Einschlüsse im Bergkristall

      Pyrit bildet kleine messing- bis goldgelb metallisch glänzende Würfel. Bei Bergkristall sind sowohl feste Mineraleinschlüsse als auch Flüssigkeits- und Gaseinschlüsse verbreitet. Einschlüsse können eine Art Fingerabdruck einer Fundstelle sein und zeigen, unter welchen geologischen Bedingungen sich die Mineralien gebildet hatten.

    • Einschlüsse im Bergkristall

      Gut ausgebildete Bergkristalle können unterschiedliche Einschlüsse enthalten. Sehr bekannt ist Rutilquarz. Dabei enthält der Bergkristall feine bis kräftige, meist goldgelbe Nadeln aus Rutil (Titanoxid). Die Rutilkristalle können bereits vorhanden gewesen sein, oder während des Quarzwachstums entstanden sein.

    • Einschlüsse im Bergkristall

      Besonders schön sind die nadelförmigen Einschlüsse. Auch Turmalin, ein komplexes Borsilikat, kann als lange schwarze (Schörl) oder grünliche Nadeln, oft deutlich dicker als Rutil, im Bergkristall eingeschlossen werden. Interessant ist, dass ein Einschluss nicht zwangsläufig älter als der Bergkristall sein muss.

      Dies und Das

      Verwandt - Talk und Speckstein

      Talk verbinden wir gewöhnlich mit einem Puder also einem feinpulverigen weißen Material, das man in einer Drogerie kaufen und auf die Haut auftragen kann. Dieses Pulver wird aus dem weit verbreiteten Mineral Talk hergestellt. Dabei macht man sich seine gute Spaltbarkeit zunutze. Talk kommt als blättrige und faserige Massen vor, die oft weiß-grün und durchscheinend sind und perlmuttartig glänzen (Abb. a) vor. Talk wird zu den Industriemineralen gezählt und findet in Schmiermitteln, bei der Behandlung von Leder sowie bei der Herstellung von Keramik und Papier Verwendung. 

      Talk ist ein magnesiumhaltiges Schichtsilikat und gehört zur Glimmergruppe. In vielen Lagerstätten treten begleitende Minerale wie z. B. Magnesit hinzu und haben so eine farbgebende und strukturprägende Wirkung. Talk hat eine geringe Härte (Mohshärte 1) und lässt sich mit dem Fingernagel ritzen. Dadurch ist es leicht zu erkennen.

      Talk kommt auch als dichte Massen vor, die dann Speckstein genannt werden. Speckstein hat seinen Namen deshalb erhalten, weil er sich fettig oder speckig anfühlt. Er lässt sich gut bearbeiten. Das abgebildete Untersetzer-Set (Abb. b) stammt aus Brasilien und ist aus Speckstein angefertigt, sowie auch die berühmte Christusstaute in Rio de Janeiro.<< 

      Aus der Presse

      Schneller zu grünem Stahl

      Eisen mit Wasserstoff statt Kohle zu produzieren, senkt die CO2-Emissionnen der Stahlproduktion erheblich. Der Prozess verlief allerdings vergleichsweise langsam. Wenn jedoch Nickeloxide zugesetzt werden, wandelt Wasserstoff Eisenerz doppelt so schnell und bei niedrigerer Temperatur in Eisen um als bisher. Bei der Umsetzung mit Nickeloxiden entsteht eine Legierung aus Eisen und Nickel, aus der sich nickelhaltige korrosionsbeständige Stähle herstellen lassen.
      Max Planck Forschung, 3/2026