Silizium

    Die abgebildete dünne Scheibe wird Silizium-Wafer genannt und dient als Basis für die Herstellung von Computerchips. Es sind auf Siliziumsubstart mittels photolithographischer Verfahren aufgebrachte elektronische Schaltungen. Diese kleinen Teile finden sich praktisch in allen modernen elektronischen Geräten wie Computern oder Smartphones. Ohne Silizium wären viele technische Anwendungen nicht möglich. Wir leben heute in einem Zeitalter von Silizium.  

    Ein kleines Tal in Kalifornien heißt Silicon-Valley also Silizium-Tal. Es ist sehr berühmt und wirtschaftlich einer der bedeutendsten Standorte der Hightech-Industrie weltweit. Die Namensgebung belegt die heutige Bedeutung des Siliziums.

    Unsere Erde – Felsen, Sand, Ton – besteht zum Großteil aus Siliziummineralen, das heißt aus Verbindungen von Silizium und Sauerstoff mit kleineren Mengen von Aluminium, Eisen, Calcium u.a.  Vorkommen von Silizium ist unbegrenzt. Mit fast 25% Massenanteil ist es nach Sauerstoff das zweithäufigste Element in der Erdrinde.

    Silizium kommt in der Natur nur an Sauerstoff gebunden vor und die Si-O-Bindung ist sehr stabil. Es hat also relativ lange gedauert, bis Silizium erstmals hergestellt wurde. Der schwedische Chemiker Jakob Berzelius erkannte als erster 1824 die elementare Natur des Siliziums und gab ihm seinen Namen.
    Trotz seiner Häufigkeit spielte Silizium bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Werkstoff keine Rolle, denn es ist nur schwierig und teuer herzustellen und auch nicht leicht zu verarbeiten.

                                                Abb. 1 Silizium a) Rohsilizium, b) Ingots und Wafer

    Die wichtigste Eigenschaft von Silizium für technische Anwendung ist seine elektrische Leitfähigkeit, die jedoch niedrig ist. Silizium ist ein typischer Halbleiter. Allerdings kann seine Leitfähigkeit durch Zusatz geringer Mengen anderer Elemente (z. B. Bor oder Phosphor) deutlich gesteigert werden (Doping), während bei den besten metallischen Leitern die Zugabe anderer Elemente einen Abfall  der Leitfähigkeit bewirkt.

    Computerchips fangen als gewöhnlicher Sand an, der in fast perfekte, superreine Siliziumkristalle umgewandelt werden muss. Die Herstellung von reinem elementarem Silicium ist aufwendig. Zuerst wird der Ausgangsstoff Siliziumdioxid (Quarzsand) mit Kohlenstoff bei Temperaturen von rund 2000 °C im Lichtbogenofen reduziert. Dieses Rohsilizium (Abb. 1a) enthält etwa 98% Silicium. Es wird hauptsächlich Aluminiumlegierungen zugesetzt, um ihre Schwindung und Fließeigenschaften positiv zu beeinflussen.

    Für die meisten industriellen Anwendungen wird allerdings hochreines Silizium benötigt. Zur Veredelung wird Rohsilicium mit Chlorwasserstoff in flüssiges Trichlorsilan umgewandelt und anschließend destilliert. Das entstehende Produkt ist polykristallin und wird deshalb kurz Polysilizium genannt. Es besitzt eine Reinheit von mindestens 99,9999 %. Für die Halbleiterindustrie ist dieser Reinheitsgrad jedoch noch zu gering. Er muss  99,999999999 % betragen; das bedeutet weniger als ein Fremdatom auf 100 Mrd. Siliziumatome.

    Dafür sind mehrere Verfahren ausgearbeitet worden. Das Czochralski-Verfahren hat die größte technische Bedeutung. Dabei wird ein Stab von 10-30 cm Durchmesser gewonnen, der einen einzigen Kristall darstellt (Abb. 1b). Dieser stab (englisch: ingot) wird danach in dünne Scheiben gesägt, in die besagten Wafer. Die technische Anwendung der Halbleitereigenschaften von Silizium erfolgt fast immer über die Produktion von Wafern, die entsprechend ihrem weiteren Einsatz modifiziert werden. Für viele technische Anwendungen werden aus Wafern kleine quadratische oder rechteckige Chips mit elektronischen Schaltkreisen (s. Foto oben)  ausgeschnitten.

    Allerdings finden nur etwa 10 % des produzierten Siliziums in der Computerindustrie Anwendung. Der größte Anteil geht in die Herstellung von Solarzellen (unser Link: Materialien für Solarzellen). Doch das Material hat seine Grenzen, denn Silizium ist sehr spröde. Ein Siliziumwafer zerbricht wie eine Glasscheibe schon bei geringen Belastungen.

    Silizium ist das 14. chemische Element und gehört zur Gruppe des Kohlenstoffes. Die beiden Elemente haben viele gemeinsame Eigenschaften. Deswegen wird gerne in der Science-Fiction-Literatur über Lebensformen auf Siliziumbasis spekuliert. Die Bildung von langkettigen Molekülen ist jedoch bei Silicium deutlich schwächer als bei Kohlenstoff. Zudem ist Silicium in Gegenwart von wässrigen Lösungen oder von Sauerstoff nicht stabil. Leben auf Basis von Silicium ist daher nach aktuellem Wissenstand äußerst unwahrscheinlich.

    Übrigens: Zu den wenigen Wesen, die nicht viel Silizium enthalten, gehört der Mensch. Während einige Schwämme Skelette aus Quarz bilden, bestehen unsere Knochen aus Calciumphosphat in Form von steifen Hydroxyapatit, der fast kein Silizium enthält.<<

    Einleitungsfoto: ClipDealer, lizenzfrei

    Die Welt der Materialien

    • Keramik aus Delft

      Anfangs brachten die Delfter Töpfer vor allem orientalisierende Dekors auf ihre Erzeugnisse auf. Später jedoch wurden diese Bilder durch genuin niederländische Szenen ersetzt. Als Delfter Blau wurde die Delfter Fayence überregional bekannt.

    • Keramik aus Delft

      Die blaue Farbe stammte zu einem großen Teil aus dem Schwarzwald, wo sie in Farbmühlen aus dem in den Bergbaugruben gewonnenen und später auch importierten Kobalterz hergestellt wurde und mit Flößen über Utrecht nach Delft transportiert wurde.

    • Keramik aus Delft

      Delfter Keramik ist eine Fayenceart mit blauem Dekor. Es entstand Ende des 16. Jahrhunderts als preiswertere Alternative zum chinesischen Porzellan. Heute gibt es nur noch eine Fabrik in Delft, die ungebrochen diese Keramik produziert.

    • Keramik aus Delft

      Bei Delfter Keramiken handelt es sich nicht um Porzellan, denn zu dessen Herstellung ist Kaolin notwendig. Die Delfter Töpfer begannen dieses zu imitieren. Zuerst als hellgelbe Töpferei, in die farbige Dekorationen eingearbeitet wurden.

      Dies und Das

      Verwandt - Talk und Speckstein

      Talk verbinden wir gewöhnlich mit einem Puder also einem feinpulverigen weißen Material, das man in einer Drogerie kaufen und auf die Haut auftragen kann. Dieses Pulver wird aus dem weit verbreiteten Mineral Talk hergestellt. Dabei macht man sich seine gute Spaltbarkeit zunutze. Talk kommt als blättrige und faserige Massen vor, die oft weiß-grün und durchscheinend sind und perlmuttartig glänzen (Abb. a) vor. Talk wird zu den Industriemineralen gezählt und findet in Schmiermitteln, bei der Behandlung von Leder sowie bei der Herstellung von Keramik und Papier Verwendung. 

      Talk ist ein magnesiumhaltiges Schichtsilikat und gehört zur Glimmergruppe. In vielen Lagerstätten treten begleitende Minerale wie z. B. Magnesit hinzu und haben so eine farbgebende und strukturprägende Wirkung. Talk hat eine geringe Härte (Mohshärte 1) und lässt sich mit dem Fingernagel ritzen. Dadurch ist es leicht zu erkennen.

      Talk kommt auch als dichte Massen vor, die dann Speckstein genannt werden. Speckstein hat seinen Namen deshalb erhalten, weil er sich fettig oder speckig anfühlt. Er lässt sich gut bearbeiten. Das abgebildete Untersetzer-Set (Abb. b) stammt aus Brasilien und ist aus Speckstein angefertigt, sowie auch die berühmte Christusstaute in Rio de Janeiro.<< 

      Aus der Presse

      Schwefelreiches Polymer

      Ein neues Polymer kann Edelmetalle zurückgewinnen, Schadstoffe abscheiden und Batterien umweltfreundlicher machen. Seine Besonderheiten sind der hohe Schwefelgehalt von circa 50 Prozent und die schwammartige Struktur. Dank dieser Eigenschaften kann das Polymer wertvolle Edelmetalle wie Gold oder Palladium aus Lösungen zurückgewinnen, giftige Halbmetalle abscheiden und sogar Batterien umweltfreundlicher machen. Besonders bei Palladium, das in der pharmazeutischen Industrie weit verbreitet, übertrifft das Material die Leistung vorhandener Metallfänger-Substanzen. Die Besonderheiten des weißen, flockigen Materials sind das Resultat einer bislang in der Polymerchemie nicht genutzten Reaktionsklasse – der sogenannten Thioorthoester-Chemie.

      Quelle: ingeneur.de, Juni/2025




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