Messing - wie immer schön

Aufgenommen im Hotel Spinale in Madonna di Campiglio

Metalle gegen Ladendiebe

Wir kennen sie von Produkten aller Art: Die Sicherungsetiketten, die bei unbezahlter Ware am Ladenausgang Alarm auslösen. Keine Chance für Ladendiebe. Kaum jemand weiß allerdings, wie viel High-Tech in diesen kleinen Detektiven steckt. Die meisten Warensicherungssysteme enthalten Streifen aus einem amorphen Metall als Sensorkomponente. Amorphe Metalle sind eine relativ junge Werkstoffgruppe mit speziellen chemischen, physikalischen und mechanischen Eigenschaften.

In herkömmlichen Metallen sind die Atome regelmäßig angeordnet, diese Metalle sind kristallin. Die Atome amorpher Metalle sind dagegen ungeordnet, ähnlich wie in einer Flüssigkeit oder Schmelze. Da das für Glas typisch ist, bezeichnet man amorphe Metalle auch als metallische Gläser. Für Metalle ist der amorphe Zustand bei höheren Temperaturen instabil. Durch Erwärmung tritt oberhalb einer legierungsspezifischen Temperatur (40-60% der Schmelztemperatur) Kristallisation ein.
Durch die amorphe Struktur werden gegenüber den kristallinen Metallen veränderte interessante Eigenschaften erzielt z. B. höhere Festigkeit, größere Korrosionsbeständigkeit oder sehr gutes weichmagnetisches Verhalten. Für eine amorphe Erstarrung sind besonders geeignet bestimmte Legierungen aus Übergangsmetallen oder Edelmetallen mit Nichtmetallen oder Halbmetallen. Die günstigen Legierungsbereiche befinden sich im Zustandsdiagramm in der Regel in der Nähe von eutektischen Zusammensetzungen.
Die innovative Materialklasse zeigt eine Vielzahl von bisher unvereinbaren Eigenschaften und macht sie neben den Sicherungsetiketten für zahlreiche weitere Hightech-Anwendungen interessant. Sie sind schockabsorbierend, kratzfest und haben auch noch sehr gute Federeigenschaften – interessant zum Beispiel für langzeitstabile Membranen bei Einspritzdüsen, bruchsichere und leichtere Gehäuse für Smartphones oder scharfe, langlebige Skalpelle und minimalinvasive Instrumente.
Das erste amorphe Metall wurde um 1960 am California Institute of Technology hergestellt. Man verwendete eine Legierung aus Gold und Silizium im Verhältnis 3:1, die sehr nahe am eutektischen Punkt (19 % Silizium) lag. Der Schmelzpunkt dieser Mischung beträgt etwa 500°C (zum Vergleich: reines Gold schmilzt bei 1063 °C, reines Silizium bei 1412°C). Die Legierung bleibt also auch bei relativ niedrigen Temperaturen flüssig, was die Glasbildung begünstigt.
Die Streifen in Sicherungsetiketten bestehen heute typischerweise aus einer amorphen Eisen-Nickel-Kobalt-Silizium-Bor-Legierung.
Zur Herstellung amorpher Metalle wurden in den letzten Jahren metallurgische Verfahren entwickelt, mit denen sich direkt aus der Schmelze dünne Bänder erzeugen lassen. Schreckt man das flüssige Metall extrem rasch ab, dann friert die ungeordnete Atomstruktur der Schmelze gewissermaßen ein. Beim Gießprozess wird deshalb die 1300°C heiße Schmelze auf eine mit 100 km/h rotierende Kühlwalze gedrückt. Der Abstand zwischen Schmelztiegel und Walze beträgt dabei häufig nur 0,1 mm. In einer Tausendstelsekunde kühlt die Schmelze beim Auftreffen auf die kühle Walze um mehr als 100 °C ab – rein rechnerisch ergibt dies eine Abkühlung von einer Million Kelvin pro Sekunde. Wegen dieser extrem hohen Abkühlrate können keine Kristalle im Material wachsen, so dass der amorphe Zustand auch bei Raumtemperatur erhalten bleibt. Das rasch erstarrte amorphe Metallband wird von der rotierenden Walze während des Flugs aufgefangen und auf einer Haspel aufgerollt. Auf diese Weise entsteht ein dünnes Metallband mit einer Dicke von 0,02 bis 0,025 mm. Die anschließende Wärmebehandlung verleiht den Bändern einzigartige Kennzeichen, auf die das Warensicherungssystem anspricht. Derart veränderte Metallbänder werden zurechtgeschnitten, auf Rollen aufgewickelt und verschickt. Die belieferten Firmen fertigen daraus die Sicherungsetiketten an.
Gegenwärtig befinden sich verschiedene elektronische Warensicherungen auf dem Markt, wobei harmonische und akustomagnetische Systeme die wichtigste Rolle spielen. Bei beiden Systemen ist ein Streifen aus einem amorphen Metall das Herzstück des Etikettes. <<

Turmalin - nicht nur schön

Der Turmalin zeigt eine der schönsten und umfangreichsten Farbpaletten unter den Edelsteinen. Man nennt ihn oft auch Edelstein des Regenbogens. Auffallend sind seine nadeligen Kristalle.

     
Der Turmalin lässt sich hervorragend verarbeiten. Seine weitere besondere Eigenschaft ist die, dass die Kristallenden, die sich gegenüberliegen, eine entgegengesetzte elektrische Ladung zeigen, welche sich einerseits durch Druck und anderseits durch Temperaturänderung ergibt. Wir sprechen dann von Piezo- bzw. Pyroelektrizität. Piezoelektrische Anwendung findet der Turmalin heute nicht mehr. Seine pyroelektrischen Eigenschaften werden weiterhin genutzt. Die Meisterschale der Fußball-Bundesliga und der DFB-Pokal sind mit wunderschönen Turmalinen besetzt.

Geheimnis des schwarzen Tees

Seit fast 1500 Jahren trinken wir gerne schwarzen Tee. Trotzdem war seine chemische Zusammensetzung größtenteils ungeklärt.

     

Neben dem bekannten Inhaltsstoff Koffein waren lange nur rund ein Drittel aller in schwarzem Tee gelösten Substanzen chemisch charakterisiert, weil die analytischen Standardverfahren nur wenige gut zu deutende Signale erfassen konnten. Die nötige Messgenauigkeit konnte erst durch den Einsatz einer modernen ultrahochauflösenden Massenspektrometrie-Methode erreicht werden. Mit dieser Super Analytik wurden im Schnitt pro Probe rund 5000 verschiedene Verbindungen gefunden. Das sind zehnmal mehr als erwartet und bedeutet, dass schwarzer Tee ein sehr komplexes Lebensmittel ist.